Putins heikle Mission in Peking: Holt er sich Xis Rückendeckung für die Ukraine?

Pekings wachsender Einfluss in einer zersplitterten Weltlage ist nicht zu übersehen. Nach Trump wird nun Putin diese Woche Chinas Präsident Xi treffen. Was erhofft er sich? Am Dienstag wird der russische Präsident Wladimir Putin in der chinesischen Hauptstadt erwartet. Es wird sein 25. Chinabesuch sein. Putin folgt unmittelbar auf US-Präsident Donald Trump, der vor einer Woche ebenfalls in Peking war. Offiziell wollen China und Russland 25 Jahre Freundschaftsvertrag feiern. Auf der Tagesordnung stehen aber auch bilaterale Wirtschafts- und Handelsfragen sowie Gespräche über internationale und regionale Brennpunkte. Im Spiel mit den USA und Putin hat China einen Strategie-Vorteil China ist Russlands größter Handelspartner. Peking liefert mehr als ein Drittel der russischen Importe und kauft mehr als ein Viertel der russischen Exporte. Außerdem hat die Partnerschaft seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs 2022 eine militärische Dimension. Die intensive Interaktion zwischen den Präsidenten der USA, Russland und China habe Peking in eine vorteilhafte Position gebracht, sagt Claus Soong, Forscher der Berliner China-Denkfabrik MERICS. Sowohl die USA als auch Russland hätten gerne Unterstützung von China, wenn auch auf unterschiedliche Weise: Moskau ist ein Partner mit sich überschneidenden Interessen in den Bereichen Energie und Geopolitik. Washington ist zwar ein strategischer Rivale, hofft aber auf den diplomatischen Einfluss Chinas im Iran-Krieg. Putin will von Xi wissen, ob er in der Ukraine-Frage auf ihn zählen kann Während Trump von Chinas Präsident Xi Jinping herzlich empfangen wurde und Peking allerdings nur mit guten Worten, aber ohne die übliche gemeinsame Abschlusserklärung verließ, werden nach dem Treffen zwischen Putin und Xi konkrete Beschlüsse erwartet. Sowohl der Kreml als auch Peking haben ein gemeinsames Kommuniqué angekündigt. Putin wolle die aktuelle Haltung Pekings zu einer „zukunftsorientierten“ Frage einschätzen, so Soong. Moskau wolle wissen, „wer als glaubwürdiger Vermittler fungieren könnte, falls Russland ein Ende des Ukraine-Krieges anstreben sollte.“ „China und Russland liegen im selben Bett und haben unterschiedliche Träume“ „China und Russland sind wie ein Paar, das zwar im selben Bett liegt, aber unterschiedliche Träume hat“, sagt Soong und beschreibt die Beziehung als aufeinander abgestimmt, aber nicht identisch in ihren Zielsetzungen. Für China liege ein zentrales Interesse darin, sich eine zuverlässigere und nachhaltigere Energieversorgung zu sichern, ohne dabei übermäßig von russischem Öl abhängig zu werden. Soong rechnet damit, dass sich die Beziehungen abkühlen werden. „So etwas wie eine unbegrenzte Partnerschaft gibt es nicht“, sagt er im DW-Interview.Dennoch bedeutet dies nicht, dass Peking und Moskau nicht auf einer Linie liegen. „Wenn China zwischen Europa und Russland zu wählen hätte, hat Russland immer noch mehr zu bieten“, so Soong. Als Vermittler im Ukraine-Krieg hatte Putin schon den Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ins Gespräch gebracht. Dieser Vorschlag entpuppte sich aber lediglich als ein Testluftballon. Einige Beobachter glauben, der Kreml sei kriegsmüde und könnte nach Wegen suchen, den Krieg zu beenden. Moskau braucht chinesische Kunden, die russisches Öl und Gas kaufen Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat sich Putin schon häufig mit Xi getroffen. Für Peking habe die gute Beziehung zu Russland eine strategische Priorität, sagt Soong, auch wenn das Gleichgewicht asymmetrisch sei, da Russland mittlerweile stärker auf China angewiesen sei als umgekehrt. Moskau brauche chinesische Kunden, die das russische Öl und Gas kaufen, um seine Kriegskasse aufzufüllen, sagt Ding Shufan, Professor für Ostasienwissenschaften an der National Chengchi University in Taiwan. Auch die russische Rüstungsindustrie sei auf chinesische Importe der Dual-Use-Produkte angewiesen. „China will keinen Krieg. Das liegt nicht im langfristigen Interesse Chinas“ Das sind Produkte, die sowohl militärisch als auch im zivilen Bereich verwendet werden können. Ob Peking das Ausmaß seiner Unterstützung anpassen könnte, „wie das Drehen eines Wasserhahns“, wie Soong es ausdrückte, bleibt unklar. „China will keinen Krieg. Das liegt nicht im langfristigen Interesse Chinas“, sagt der Experte Soong. Sowohl im Iran als auch in Russland wolle Peking einen Zusammenbruch der Regierung verhindern. Ein deutlich geschwächtes oder instabiles Russland würde unmittelbare strategische Risiken für Peking mit sich bringen, so die Einschätzung Soongs. Die beiden Länder teilen eine lange Grenze. Moskau bleibt ein wichtiger strategischer Partner für China. China ist der größte Kunde von iranischem Öl China ist von den Spannungen rund um die Straße von Hormus und den daraus resultierenden Risiken für seine Energiesicherheit betroffen. China ist nämlich der größte Kunde von iranischem Öl. Gleichzeitig möchte sich Peking als stabilisierende Macht präsentieren. Angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen im Lande wie Überkapazitäten braucht China solvente Kunden auf dem Weltmarkt. Es will vermeiden, dass die großen Käufer chinesischer Produkte durch die Konflikte und steigende Kosten von neuen Orders absehen. Analysten sagen, die jüngsten Konflikte im Nahen Osten hätten russische Energieprodukte für Peking attraktiver gemacht, auch wenn China seit langem bestrebt sei, seine Lieferquellen zu diversifizieren. Russland deckte im Jahr 2025 fast 18 Prozent der chinesischen Ölimporte ab, verglichen mit rund 13 Prozent aus dem Iran und etwa 42 Prozent aus anderen Golfstaaten. Westliche Sanktionen haben Moskau dazu veranlasst, seine Ölexporte nach Osten umzuleiten. Und China könnte sich einen guten Preis für russische Energieprodukte sichern.

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